Tarnów in 330 Minuten

Für diese Leute , die nur ein paar Stunden für die Besichtigung der wärmsten polnischen Stadt haben, “Perle der Renaissance” genannt, schlagen wir folgende Besichtigungsroute vor.
Mit der Besichtigung fangen wir auf dem Tarnower Marktplatz an, der zu den kleineren Stadtplätzen im Land gehört, ist aber zugleich einer der schönsten, – umgeben von historischen Bürgerhäusern mit Arkaden –+ kleinen Perlen der Renaissance. In der Mitte steht zweistöckiges Rathaus, bei dem noch ursprüngliche, gotische Teile erhalten geblieben sind, bekrönt durch eine Attika mit charakteristischen 14 Maskaronen. Diese Renaissancegebäude schuf Jan Maria Padovano. 30 Meter hoher Turm verbirgt ,einen noch bis heute tätigen Mechanismus der ältesten in Polen von Hand aufgezogenen Rathausuhr. Gleich neben dem Rathaus ( von der südöstlichen Seite) steht ein unscheinbarer Pfahl, damals befand sich hier ein Pranger für „ schändliche Weiber“.

Von dem Marktplatz begeben wir uns Richtung Basilikakathedrale. In diesem wichtigsten Tempel der Stadt und Tarnower Diözese fesseln ihre Aufmerksamkeit gleich hinter dem Altar stehende über 13 Meter lange die höchste in Europa gewaltige Grabdenkmäler des Geschlechts Tarnowski ( dem Kronhetman des Großen – Jan Tarnowski und seinem Sohn Krzysztof gewidmete; das erste Denkmal in der polnischen Heimat) und Ostrogski. Das erste Denkmal wurde von dem italienischen Bildhauer Jan Maria Padovano erschafft. Das zweite Werk wird wahrscheinlich Jan Pfister aus Breslau oder dem Niederländern Wilhelm van den Block zugeschrieben. Bemerkenswert ist in dem südlichen Schiff das Grabdenkmal von Barbara von Tęczyński Tarnowski, der ersten Frau des Hetmanns Jan Tarnowski, auch von Padovano ausgeführt. Das ist das Meisterwerk der Renaissance – Grabskulptur in dem europäischen Umfang. Die Kunstkenner halten Skulptur für die schönste Darstellung einer Frau der Ära der Renaissance . In der Basilika kann man auch Denkmaler von Berecci bewundern. Vor der Basilika – das erste auf aller Welt Denkmal des polnischen Papst – Johannes Paul II, der Autorschaft von Bronisław Chromy.

Wenn wir die Kathedrale durch den Haupteingang verlassen, sehen wir das um an die Stadtmauer angelehnte, älteste gemauerte Haus. – Mikołajowski Haus( unter Regierung des Hetmanns Tarnowski wurde die Stadt mit 900 Meter langer Mauer aus Ziegel umgeben; bis heute erhielten sich Fragmenten des Festungswerkes.) Das fast 500 Jährige Gebäude birgt im Inneren die Schätze des ältesten Kirchenmuseums in Polen – des Diözesanmuseums. Das Museum präsentiert eine reiche Sammlung von Sakralkunst ab dem Mittelalter wie z.B Malereien, gotische Skulpturen, Messgewänder, Frühdrucke, Inkunabel sowie auch Volkskunst, darunter eine Sammlung von Volksmalerei auf Glas. Zu den Schätzen des Museums gehören solche Gemälde wie : „Das Beweinen in Chomranice“ ( Mitte des 15. Jahrhunderts) ein mittelalterliches Meisterwerk der sog. Krakauer Malerei. „Die Pieta aus Biecz“ ( 1380 – 1400) „Das Beweinen vom Schwarzen Bach“ ( geb. 1450) oder das Triptychon, ein origineller Altar aus der in die Liste UNESCO eingetragenen Kirche des heiligen Leonard in Lipnica Murowana. Nachdem wir das Museum verlassen haben, begeben wir uns Richtung Kathedralenplatz. Dann gehen wir der Kathedralenstraße bis zum Sobieskiplatz , biegen wir nach links ab und weiter abwärts gehend nähern wir uns der „Großen Vorstadt“. Zur Zeit ist das der bekannteste Markt in der Stadt, der so genannte „Burek‘. Sein Name stammt aus einem Pflaster, mit dem der Platz bedeckt wurde. In einem der Häuser bei dem Markt ( der eigentliche Name; Platz des Generals Józef Bem) ist im Jahre 1794 der Held von Polen und Ungarn – Józef Bem auf die Welt gekommen.

 

Die Kirche der Skapulier –Gottesmutter

An den Marktbuden der Blumenhändlerinnen vorbeigehend richten wir uns die Heilige Jungfrau Mariastrasse hinunter, zu einem von drei hölzernen Kirchlein, der Kirche der Skapulier –. Populär „ Das Kirchlein in Burek“ genannt. Diese Kirche stand wahrscheinlich an dem Platz anstelle von gegenwärtiger Kathedrale, und nach dem Beginn des Baues von dem neuen gemauerten Tempel für entstehenden Stadt ( vor dem Jahr 1400) wurde abgerissen und in der gegenwärtigen Platz an dem Bach Wątok verlagert. ( in den Jahren 1852-1854 um ein paar Meter von dem Bach verschoben). Im Inneren des Tempels – des Sanktuariums befindet sich , aus dem XV Jahrhundert stammend, das von Gnaden berühmt auf dem Brett gemalte Bild von der Skapulier – Gottesmutter . Die Gläubigen verehren es sehr seit Menschengedenken. Das Kirchlein erfüllte eine Funktion der Friedhofskirche für die älteste ( 1787) und eine der schönsten Nekropole- „ Dem alten Friedhof“ , die auf der anderen Seite der belebten Narutowiczastraße liegt . Sowohl dieser Bau als auch sich auf der anderen Seite des Friedhofs befindendes Kirchlein der Heiligen Dreifaltigkeit „ Na Terlikówce‘ aus dem Jahre 1527 und auf dem Berg des Heiligen Martins ( 2 Kilometer weiter nach Süden) stehende Kirche des Heiligen Martins aus dem XV Jahrhunderts, liegen auf dem kleinpolnischen Holzarchitekturroute.

Wir kommen zum Sobieskiplatz zurück, um nach links abzubiegen und…. sich als in Wien fühlen. Wir gehen der Hauptverkehrsader der Stadt – der renovierten Krakowskastraße, der ursprünglichen Kaiserstrecke. Die wichtigste Straße von Tarnów ist Perle der Sezession. Die monumentalen ein paar Meter hohe Bürgerhäuser bringen das Tarnower Klima näher. In einem der Bürgerhaus hatte die ukrainische Regierung im Exil , in den 20 Jahren des XX Jahrhunderts einige Monate lang seinen Sitz. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen der Bürgerhäusern besteht der stadtnahe Gutshof mit dem Dach, der mit dem Schindel bedeckt wurde. In diesem alten Gasthaus befindet sich das berühmteste in Polen Ethnografische Museum, das aus einziger in Europa Dauerausstellung die der Geschichte und Kultur der Roma gewidmet ist, bekannt ist. Auf dem Museumshof kann man an dem Zigeunerlagerfeuer teilnehmen, die Tänze der in bunte Kleidungen gekleideten Zigeunerinnen ( auf Wunsch) bewundern, als auch die echte Zigeunerfuhrwerke bewundern. Jedes Jahr im Juli macht sich „ Tabor Pamięci“ auf den Weg, der nach Tarnów nicht nur Roms als auch Touristen aus der ganzen Welt heranzieht . Während der mehrtägigen Wanderung durch Tarnower Heimat erfährt man Nomadenleben der Zigeuner.

 

Der Kosmische Brunnen und die Bahnhof

Wenn wir weiter der Krakowskastraße gehen, kommen wir zur monumentalen zweiturmigen Kirche der Abtpatres Missionaren aus den Jahren 1904 – 1906, die zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges Garnisonkirche war. Gleich daneben die Attraktion für die Jüngsten: Der kosmische Brunnen – mit der Sonne und dem Sonnensystem. Die Sterne wurde aus Stahl und Glas gemacht, und auf den Stahlbahnen wurden Granitplaneten auf Wasserkissen gelegt . Auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Bahngrünanlagen und hinter ihnen „Perle der Sezession“ –der imposante, sorgfältig restaurierte Bahnhof aus dem Jahre 1910. Etwas weiter, auf der anderer Seite der Gleise – das Technikdenkmal die Dampflokomotive Ol 49 72 aus dem Jahre 1953. Wenn wir der Krakowskastraße herauf zurückkommen, können wir uns mit dem bunten Elefant fotografieren lassen( bei der Kreuzung mit der Nowy Świat Straße) und das beste Eis in der Stadt in der ältesten Tarnower Café – Tatrzańska Café essen gehen.

 

Die Dichterbank

Von dem Sobieski Platz, biegen wir nach links ab in die Fußgängerzone Wałowastraße. Wenn wir in östlicher Richtung gehen, gehen wir an die wunderschönen Bürgerhäuser und Grünanlage mit dem größten in Polen Denkmal von Władysław Łokietek , der Tarnów im Jahre 1330 Stadtrechte verleiht, vorbei. Das Berühren mit der rechten Hand des Schuhs des Königs soll Glück bringen und ermöglicht Träume zu erfüllen. In der Nähe, befindet sich die Dichterbank wo die Skulpturen von Agnieszka Osiecka, Jan Brzechwa, und Zbigniew Herbert sitzen und neben steht die rekonstruierte Straßenbahnhaltestelle ( in Tarnów funktionierte in den Jahren 1911- 1942 die Straßenbahnlinie, auf den Straßen der Stadt sind jede Sekunde sog.Marienkäfer – Tarnower Straßenbahnen gefahren ).

Wenn wir neben der Haltestelle stehen , können wir das Grab des Unbekannten Soldaten bewundern, von dessen Piłsudskistraße nach rechts läuft. (früher Seminaryjnastraße, weil sich bei ihr das größte Priesterseminar in Europa bis heute befindet. ), die zum Schützenpark führt, wo in dem originellen Mausoleum die sterblichen Überreste des Generals Józef Bem beigesetzt wurden.

 

Basteja

Wir richten uns die Walowastraße nach Osten. Wir kommen zur Basztowastraße ( auf der rechten Seite ), die wirklich nur wegen der Treppe eine Straße nach dem Namen ist; An dieser Straße rechts befindet sich die restaurierte Halbbastei , ein Teil der gebliebenen Schutzmauer. Wir kommen auf Wałowastraße zurück. Etwas weiter an der Ecke Wałowa- und Rybnastraße steht….Roman Brandstaetter, der sich an die Ecke des Bürgerhauses lehnt, mit einer Baskenmützen, eine Pfeife rauchend , sieht sich hinter der Brillen hervor die Fußgängern an. Wenn wir bei Brandstaetter stehen, schauen wir nach links, auf die Goldhammerastraße. Das war die wichtigste Straße des jüdischen Teil der Stadt mit Banken und Hotels. In dem Gebäude Nr 1 befand sich das letzte in der Stadt, bis 1993 tätige Gebetshaus . Fast die Hälfte der Bewohner von Tarnów stellten Juden, die sein östliches Teil bewohnten, dar, und auf der Bürgerhaus Nr 6 ist ein Teil der Inschrift in der jiddischen und polnischen Sprache zu sehen, das für Restaurantspeisen wirbt. Wir gehen zur nächsten restaurierten Grünanlage mit dem Brunnen und dem Denkmal von Jan Szczepanik – dem polnischen „Edison“ Neben dem Monument die Informationstafeln von den Leistungen der Erfinder der bunten Fotografie und der kugelsicheren Weste. . Wir kommen zur Wałowastraße zurück, und haben wir keine Übersicht darüber, dass wir uns schon in dem jüdischen Teil von Tarnów befinden. Fast die Hälfte der Bewohner von Tarnów stellten vor dem zweiten Weltkrieg die Juden dar.

In dem früheren jüdischen Stadtviertel befindet sich einer der ältesten und interessantesten jüdischen Friedhöfen in Kleinpolen , hier gab es auch Ghetto. Wir begeben uns weiter der Walowastraße nach Osten und gehen bis zum Denkmal des Generals Józef Bem ( aus dem Jahr 1985) – dem Ort der häufigen Besuche der offiziellen ungarischen Delegationen. Durch den Pilsener Tor gehen wir auf die Żydowskastraße, neben dem Florencki Haus. An dieser Straße befindet sich „Bimah“ – die einzige Überreste der Alten Synagoge. Die Umgebung von Bimah, der nahe gelegene Rybnyplatz und Stadtmauern an dieser Straße wurden im Jahre 2011 gründlich renoviert und stellen das nächste Markenzeichen von Tarnów dar . Heutzutage werden dort Konzerte im Rahmen der Gedenktagen an galizischen Juden veranstaltet.

 

Der Marktplatz und Die Altstadt

Wenn wir weiter die Żydowskastraße gehen, kommen wir zum wichtigsten Platz von Tarnów – zu dem Marktplatz. Jetzt müde und eindrucksvoll mit dem Spaziergang, können wir in einem von vielen Restaurants und Cafés ( nicht nur im Marktplatz sondern auch in der ganzen Altstadt ) anhalten und sich dem kulinarischen Genuss hingeben. Für die Autofahrer und Kinder bieten wir den Schlehdorntee „Tarninówka“ zum Nachtisch.- der kräftigende Schlehdornaufguss. Die übrigen sollen den Likör aus Schlehdornfrüchten , mit demselben Namen probieren. Schon Jan Długosz, ein hervorragender polnischer Journalist hat geschrieben, dass der Name „Tarnów“ aus Schlehdornstrauch, mit dem die Gegend um das Tarnower Schloss bewachsen waren, stammt.